Janus AI: ein bahnbrechendes Plugin für Kundenprojekte
Anfang 2024 startete das Team von Janus Worldwide eine groß angelegte Initiative, um sein proprietäres KI-Plugin in realen Produktionsszenarien zu implementieren. Der Ansatz war pragmatisch und geschäftsorientiert: Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Übersetzungskosten ohne Qualitätseinbußen gesenkt werden können, insbesondere angesichts begrenzter Budgets und strikter Kundentermine.
Das Projekt begann mit Pilot-Einführungen und internen Tests. Seit Juli 2024 wird das Plugin aktiv in Produktionsaufgaben eingesetzt. Zu Beginn gab es noch keine Glossare, später dann eine vollständige terminologische Unterstützung. Durch diese schrittweise Einführung konnten wir das System flexibel an die Anforderungen unserer Kunden anpassen und einen stabilen Workflow aufbauen.
Von TEP zu MTPE: ein neues Produktionsmodell
Eine wichtige Entscheidung war der Ausschluss der traditionellen Übersetzungsphase (T) aus der TEP-Kette. Stattdessen wurde im Janus AI-Plugin ein Prozess eingeführt, der eine Primärübersetzung von ausreichender Qualität für die anschließende Bearbeitung (MTPE) und das abschließende Korrekturlesen generiert.
Die Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten:
- RU–EN – minimale Überarbeitungen, hohe Qualität und schnelle Lieferung,
- EN–RU – zuverlässige Qualität und geringer Bearbeitungsaufwand.
Finanzielle Effizienz und Skalierung
Die wirtschaftlichen Auswirkungen waren beeindruckend:
- Die Übersetzungskosten wurden um 28 % gesenkt – ohne Einbußen in Bezug auf die Qualität.
- Im Laufe eines Jahres wurde das Plugin bei mehr als 1.300 Projekten eingesetzt.
- Das Gesamtvolumen der übersetzten Inhalte betrug über 4 Millionen Wörter.
Am wichtigsten ist jedoch, dass das Plugin in dieser Zeit erheblich weiterentwickelt werden konnte. Während die Übersetzung von 10.000 Wörtern zu Beginn beispielsweise mehrere Stunden dauerte, wird diese Arbeit heute um ein Vielfaches schneller erledigt.
Wie wird die Qualität sichergestellt?
Der Übergang zur Automatisierung verringert nicht die Verantwortung für hochwertige Ergebnisse. Bei Janus basiert der Qualitätssicherungsprozess auf einer klaren Methodik:
- Analysieren der Kundenanforderungen: Richtlinien, Stilvorgaben und Bewertungskriterien werden untersucht.
- Erstellen von Designvorgaben: Anweisungen für alle am Prozess beteiligten Rollen – Redakteur, Übersetzer, Korrekturleser.
- Einrichtung automatischer Prüfungen: Verknüpfung von QA-Profilen in CAT-Tools.
- Terminologie-Management: Arbeiten mit Kundenglossaren oder Erstellen neuer Glossare von Grund auf.
LQA als digitale Qualitätskontrolle
Die letzte Phase ist die Qualitätskontrolle. Hier kommt die LQA (Sprachliche Qualitätsbewertung) ins Spiel, eine Expertenprüfung, bei der Folgendes beurteilt wird:
- inwieweit die Übersetzung den Erwartungen des Kunden entspricht,
- die Anzahl und die Art der Fehler.
Die Bewertung erfolgt durch interne und externe Spezialisten, um Objektivität zu gewährleisten. Dadurch wird nicht nur eine regelmäßige Überwachung der Qualität gewährleistet, sondern es ermöglicht uns auch, auf der Grundlage der Zahlen geeignete Management-Entscheidungen treffen.
Welche Vorteile bietet dies für unsere Kunden?
- Beschleunigte Prozesse ohne Qualitätseinbußen.
- Kontrollierte Qualität, bestätigt durch Überprüfung und Zahlen.
- Skalierbarkeit: Das Plugin kann in Projekten unterschiedlicher Größe und Komplexität eingesetzt werden.
Manchmal entstehen die innovativsten Ideen nicht im Labor, sondern in der täglichen Praxis. Unser Held, Artyom Burov, ein Key Account Manager in der Abteilung Life Sciences, entwickelte ein Konzept, das traditionelle Prozesse revolutionierte und neue Arbeitsszenarien eröffnete. In diesem Interview gehen wir der Frage nach, wie die Idee aus der Schnittstelle realer Kundenherausforderungen und persönlicher Erfahrung entstanden ist und welche Schritte nötig waren, um eine interne Initiative in ein Produkt mit Wachstumspotenzial zu verwandeln.
- Artyom, bitte erzähl uns, wie die Entwicklung des Janus AI-Plugins begann. Was war der Ausgangspunkt?
Alles begann mit einem neuen Kunden, der sehr niedrige Preisforderungen hatte. Es war schnell klar, dass es unter solchen Bedingungen unmöglich sein würde, im Standardmodus zu arbeiten. Mit Unterstützung von CEO Konstantin Josseliani, Vizepräsident Igor Mogilevsky und Abteilungsleiterin Marina Shirshova begann ich, nach Wegen zu suchen, um die Rentabilität solcher Projekte nicht nur zu erhalten, sondern auch zu steigern.
Zunächst versuchte ich es mit maschineller Übersetzung: Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung entwickelte für den Kunden eine maßgeschneiderte Engine auf Basis von Modern MT, aber die Qualität der Ergebnisse war unbefriedigend.
Zu diesem Zeitpunkt trafen wir Valeriy Bolshakov, der uns vorschlug, ein KI-gestütztes Plugin zu entwickeln. Die Idee schien auf Anhieb vielversprechend, zumal der Einsatz von KI in der Branche bereits aktiv diskutiert wurde. Uns wurde klar, dass es an der Zeit war, unsere eigene Initiative zu starten.
- Welche Verbesserungen hatten zwischen Juli 2024 und Herbst 2025 den größten Einfluss auf die Leistung?
Anfangs funktionierte das Plugin nur mit memoQ und der Übersetzungsprozess war recht komplex: Um Übersetzer und Korrekturleser miteinander zu verbinden, musste eine Offline-Version des Projekts erstellt, die Übersetzungen in RTF exportiert und auf den Server hochgeladen werden. Mittlerweile gibt es eine vollständig ausgereifte Infrastruktur, die es ermöglicht, mit dem Plugin direkt in der laufenden Projektversion zu arbeiten, was den Prozess erheblich beschleunigt und vereinfacht. Darüber hinaus haben Kollegen eine Version des Plugins für Trados entwickelt, was ein wichtiger Schritt für dessen Weiterentwicklung und Erweiterung der Funktionalitäten war.
- Können Sie sich an den Moment erinnern, als das Team zum ersten Mal echte Geschäftsergebnisse durch das Plugin erzielen konnte?
Ja, der Moment, als das Team echte Erfolge sah, war sehr deutlich. Linguisten bemerkten eine Verbesserung der Übersetzungsqualität, und für uns war der Effekt sofort an den Zahlen erkennbar. Die Projektmargen stiegen um 28 %, war kaum zu übersehen war.
Uns wurde klar, dass die Übersetzungsphase mithilfe eines Plugins erfolgen könnte. Seitdem arbeiten wir nach folgendem Schema: Übersetzung mit dem Janus AI Plugin, anschließend MTPE und Korrekturlesen.
Ein besonderer Dank gilt unseren Kollegen in der Qualitätssicherungsabteilung, die uns dabei helfen, schnell Berichte über alle Projekte zu erstellen, sodass wir potenzielle Probleme umgehend erkennen und beheben können.
- Wie schätzen Sie die langfristige Rolle des Janus AI-Plugins bei der Transformation des TEP-Modells auf Unternehmensebene ein?
Ich glaube, dass das Plugin die Prozesse innerhalb eines Unternehmens nachhaltig verändern kann. Langfristig könnte es die Übersetzungsphase vollständig ersetzen. In unserer Abteilung stellen wir bereits fest, dass angesichts der Kosteneinsparungen immer mehr Projekte mithilfe des Plugins abgewickelt werden. Meiner Meinung nach gehört die Zukunft den KI-gestützten Übersetzungen – und dieser Trend wird von führenden Marktexperten bestätigt.
Wir sehen deutlich, wie das Plugin dazu beiträgt, die Effizienz zu steigern und die Arbeitskosten zu senken. Allerdings bleibt menschliches Fachwissen notwendig, um eine qualitativ hochwertige Übersetzung zu gewährleisten.
- Wenn Sie das Projekt noch einmal von vorne beginnen würden, was würden Sie beim Start anders machen?
Ehrlich gesagt würde ich auf der Produktionsseite nichts ändern. Wir haben das Plugin schrittweise entwickelt und dabei die Details sorgfältig verfeinert. Dieser Ansatz hat es uns ermöglicht, ein nachhaltiges und qualitativ hochwertiges Ergebnis ohne plötzliche Schwankungen zu erzielen.
- Welche Unerwarteten Entwicklungen gab es während der Arbeit an dem Plugin?
Ich war überrascht, wie schnell die künstliche Intelligenz unsere Branche bisher verändert hat und weiter verändert. Uns allen war klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, aber ehrlich gesagt hatte ich nicht erwartet, dass die Veränderungen so schnell kommen würden. Die Arbeit am Plugin hat deutlich gezeigt, dass Technologie bereits in der Lage ist, vertraute Prozesse zu verändern.
Janus AI ist nicht nur eine technologische Lösung, sondern ein strategisches Werkzeug für Teams, die mit begrenzten Budgets, aber hohen Anforderungen arbeiten. Dank eines durchdachten Qualitätsansatzes und der vollständigen Integration in Workflows ist das Plugin ein wertvolles Werkzeug, das unseren Kunden dabei hilft, ihre Geschäftsziele zu erreichen.


